FIREBIRD - die Geschichte vom Vogelmenschen von Albert Knechtel und Manuel Brückl für die ZDF-Reihe "37°"


"Ich war tot" heisst das Buch über ihn: Mike Harker, der "Vogelmensch". Es ist die Biographie eines Ausnahmeathleten, die Geschichte eines Flugpioniers. Am 10. April 1973 fliegt er als erster Mensch mit einem Drachen von der Zugspitze. Weltrekord. Der Beachboy aus dem sonnigen Kalifornien sucht immer wieder neue Herausforderungen. Mit 17 ist er Amerikas bester Wasserskiläufer, mit 26 segelt er von Zugspitze und Fujijama. Das Gefühl vogelfrei zu sein lässt ihn nicht mehr los. "Wenn ich ein Tier wäre, dann nur ein Adler", sagt er noch heute. Und das, obwohl das Schicksal am Ostersamstag 1977 den Adler in die Tiefe reisst. Bei einem Schauflug auf der Karibikinsel Grenada stürzt Mike Harker aus zirka 200 Metern ins Meer, auf ein Koralriff. Raimund Harmstorf, der deutsche "Seewolf", rettet ihm das Leben. Auf dem Flug in die Spezialklinik in die USA setzt sein Herz zweimal minutenlang aus. Mike Harker ist das, was man klinisch tot nennt. Beide Beine sind gebrochen und dazu das Kreuz. Fast alle inneren Organe sind geplatzt. 11 Monate lang liegt Mike Harker im Koma. Als er wieder aufwacht, sagen ihm die Ärzte, dass er nie wieder wird laufen können.

Querschnittsgelähmt! Doch der Vogelmensch kämpft - und besiegt seine Behinderung. Noch im Rollstuhl beginnt er eine alte Leidenschaft zu entdecken- die Fotografie. Seine Bilder gewinnen Preise in der ganzen Welt. Der nächste "Schritt"- eine Videokamera. Mike Harker gründet eine Produktionsfirma. Mit Erfolg. Das ZDF ist einer seiner besten Kunden. Seine Neugier, seine Suche nach immer wieder neuen, aufregenden Perspektiven zeichnen seine Werbefilme und Sportberichte aus. In den Achtziger Jahren gründet er das erste Privatradio Bayerns. Heute kann Mike Harker wieder gehen, Harley fahren, Wasserski laufen - und Drachen fliegen. Ein medizinisches Wunder! Und Ende April 1998, wenn sich sein erster Zugspitzflug zum 25. Mal jährt, will der inzwischen 50jährige Vogelmensch das wiederholen, was ihn berühmt gemacht hat, an einem Flugdrachen von Deutschlands höchstem Berg segeln.

Der Film soll ein Porträt des Menschen Mike Harker zeichnen. Nicht die Geschichte des Drachenfliegens steht im Mittelpunkt, sondern die Willensstärke dieses Kaliforniers, der rund zwanzig Jahre seines Lebens in Deutschland verbracht hat. Welcher innere Motor treibt ihn an, diesen Adler, der wie ein Phönix aufstieg aus der Asche? Seit sieben Jahren lebt er wieder in der Heimat in Manhattan Beach, zurückgezogen in seinem bescheidenen Haus an einem der vielen Strände von Los Angeles. Mike Harkers Lebensgeschichte macht denen Mut, die den Glauben an sich verloren haben. Seine Vorfahren stammen von den Cheyenne aus den Bergen Colorados. Und bei den Indianern, weiss Harker, gibt es eine Sage, die klingt wie seine Biographie: die Sage vom "Firebird", der fliegt, verbrennt und dann aus der Asche wieder aufersteht. Nicht von ungefähr hat er seine erste Firma, die noch heute Flugdrachen im Allgäu herstellt, "Firebird" genannt. Das erfolgreiche Unternehmen gehört ihm längst nicht mehr, denn das Geschäftemachen hat "Skyharker", der Adler, nie gelernt...

Albert Knechtel und Manuel Brückl

Paris, 30. Januar 1998


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